Am Samstag, den 17. September, hieß es zum letzten Mal „Play Ball“ in der Saison 2011. Zu Gast bei den Atomics waren die Tabellenführer Rosenheim 89ers. An ein gemütliches Ausklingen der Saison war jedoch nicht zu denken. Dieser sonnige Spieltag sollte darüber entscheiden, wer der beiden Mannschaften den Meistertitel der Landesliga Süd 2011 verdiene. Den Garchingern, zu dieser Zeit noch auf Tabellenplatz zwei, war bewusst, dass beide Spiele aufgrund des Sieg-Niederlage-Verhältnisses gewonnen werden mussten, um in letzter Sekunde an den Rosenheimern vorbeiziehen zu können. Daher wurde noch einmal die komplette Truppe der Atomics mobilisiert, die hochmotiviert und vorbereitet zum Spiel erschien. Den Rücken stärkten zahlreiche Zuschauer, die vom Zaun aus das Topspiel der Saison beobachteten. Um 13:00 Uhr war es soweit, die Entscheidungsschlacht konnte beginnen.
Im ersten Spiel machte sich Roland Wimmer auf dem Pitcher’s Mound bereit. Er hatte zunächst Probleme, ins Spiel zu finden. Zu viele Würfe verfehlten die Strike Zone, wodurch die Spieler aus Rosenheim per Walks auf Bases kamen. Die Würfe, die ihr Ziel erreichten, schlugen die Gegner weit aufs Feld hinaus. Starke Defensivleistungen von Richard Zille im Centerfield verhinderten jedoch Schlimmeres. Mit seinen eindrucksvollen Catches bewahrte er die Atomics vor einem frühen Rückstand.
Die anschließende Offense der Atomics zeigte, dass der Spieltag kein leichter für die Gastgeber werden würde. Sicher stand die Verteidigung der Rosenheimer auf dem Feld. Konzentriert agierten die Gäste und beendeten schon nach kurzer Zeit die erfolglose Angriffsphase der Atomics. Drauf hin holte Trainer Dominik Lanzinger seine Spieler kurz zu sich, mahnte sie, sich nicht von den ersten schwerfälligen Spielminuten unterkriegen zu lassen und schickte die Atomics nach motivierender Rede angespornt in die Verteidigung zurück.
Doch Roland Wimmer erging es beim Pitching wenig besser als im ersten Inning. Gleich der erste Angreifer erreichte durch einen Walk die erste Base und wieder trafen die Rosenheimer alles, was zu treffen war. Doch erneut stellte sich das Outfield der Atomics unter Beweis. Tobi Kürten im Right Field behielt die Nerven und machte dieses Mal die wichtigen Catches, wodurch die Rosenheimer erneut ohne Punkte blieben.
Danach durften sich die Atomics wieder mit Schlägern bewaffnen. Sichtlich mühten sich die Gastgeber beim Schlag. Als blitzschnelles Zugreifen von Thomas Hegering nach einem Fehler des Rosenheimer Pitchers den Atomics den ersten Punkt brachte, loderte die Stimmung der Atomics auf. Die entstehende Euphorie kam vor allem Roland Wimmer zugute, der nun beim Pitchen zunehmends erstarkte und zu seiner gewohnten, starken Form zurückfand. Wieder schafften es die Atomics, das Feld dicht zu machen und die Führung von einem Punkt aufrecht zu erhalten.
Das intensive und verbissene Arbeiten an der Homeplate sowie aggressives Baserunning und aufeinander abgestimmte Spielzüge begannen sich ab dem dritten Inning mehr und mehr für die Atomics auszuzahlen. Den Gasgebern gelang es nun, alle Bases zu besetzen. Mit einem atemberaubenden Grand Slam Homerun schlug Tobi Kürten den Ball über die Spielfeldbegrenzung, erzielte somit vier Punkte auf ein Mal und brachte die Wende und Vorentscheidung des Spiels. Schwer angeschlagen waren ab diesem Zeitpunkt die Rosenheimer, die vergeblich versuchten, Halt zu finden und die Atomics irgendwie noch zu bremsen. Diese ließen sich jedoch nicht mehr vom Siegeskurs abbringen und erzielten weitere Punkte bei gleichzeitig makelloser Verteidigung. Das anfangs so ausgeglichene und knappe Spiel lief den Rosenheimern nun endgültig aus dem Ruder, die sich gedanklich schon aufs zweite Spiel fixierten, um im zweiten Versuch die Tabellenführung und damit den Meistertitel zu sichern.
Pompös beendete Routinier Thomas Hegering das Spiel mit einem Homerun. Spielstand 10:0.
Nach einer kurzen Pause konnte Spiel zwei beginnen. Thomas Hegering machte sich startklar zum Pitchen. Erstaunlich gut konnten die Rosenheimer das plötzliche Desaster aus Spiel eins abschütteln. Mitgebrachte Fans und die Spieler auf der Bank feuerten die 89ers an und sorgten kräftig für Stimmung. Dies wirkte sich merklich auf die Schlagleistung der Gäste aus. Schon im ersten Inning mussten die Atomics den Gästen zwei Punkte überlassen, die weniger aus Defensivschwächen der Atomics als vielmehr aus der hohen Qualität der Rosenheimer Schläge resultierten. Selber konnten die Atomics nicht ganz am vorausgegangenen Spiel anknüpfen. Etwas unglückliche Spielsituationen und eine wirklich stark spielende Rosenheimer Mannschaft ließen die Gastgeber nach dem ersten Inning um einen Punkt in Rückstand geraten.
Der weitere Spielverlauf ging recht wechselhaft vonstatten. Mal entschieden die Rosenheimer ein Inning für sich, mal die Atomics, wiederum in anderen Innings wurden keine Punkte erzielt. In der Summe hatten die Rosenheimer jedoch die Nase geringfügig vorne. Im dritten Inning kam Yuma Yoshimoto auf den Mound, der wie Hegering, starke und präzise Würfe ausführte. Trotzdem blieb das Spiel sehr ausgeglichen.
Als die Garchinger jedoch bis zum letzten Inning verpassten, an den Rosenheimern vorbeizugehen, stiegen Druck und Nervosität nach und nach an. Das Spiel wurde zunehmends emotionaler. Sowohl den Trainern, als auch des Spielern beider Mannschaften war die Nervosität anzumerken. Still stand der Atem der Garchinger, als eine Spielsituation, die für die Atomics eine der letzten guten Möglichkeiten darstellte, das Spiel zu drehen, denkbar schief lief. Ein aus der Luft gefangener Bunt machte nicht nur den Garchinger Schlagmann aus, sondern auch den Spieler, der eigentlich den ausgleichenden Punkt erzielen sollte. Die Nerven lagen blank. Nur noch ein einziges Inning blieb den Atomics Zeit, das Spiel zu drehen und den Meistertitel zu holen.
Ein wahrlicher Krimi ereignete sich im letzten Inning. Zwei Atomics gelangten auf Bases und wurden durch gute Hits in Scoring Position geschoben. Quirin Schmid ermöglichte es den Garchingern durch einen Sacrifice Flyball, den Ausgleich zu erzielen. Nun stieg der Druck für den Rosenheimer Pitcher ins Unermessliche. In letzter Sekunde zwangen die Atomics den 89er Pitcher zum Fehler, der Sieg ging mit 6:5 an die Atomics, die sich somit Meister der Landesliga Süd 2011 nennen dürfen.
Nach dem Spiel feierten die Atomics noch ausgiebig bis spät in die Nacht hinein. Die Spieler dürfen sich nun auf die Playoffs am 1.10 und 8.10. gegen Ingolstadt freuen. Hier wird sich entscheiden, ob die Garchinger in der künftigen Saison eine Liga höher spielen. Die Chancen stehen gut.
Simon Kupfer


